Und so reisen wir weiter…

June 26, 2008 by muellergambling

Hoi zämä

So, jetzt sind wir in Melbourne angekommen. D und F haben heute die Stadt erkundet, während A endlich ihre Professorinnen an der Uni in Swinburne/Lilydale kennenlernte, bei denen sie ihre Doktorarbeit schreibt. Am Morgen war es rund 2-3 Grad kalt. Das hinderte viele Kinder nicht daran, mit kurzen Hosen und kurzärmligen Leibchen zur Schule zu gehen. Und in der Stadt sieht man viele Aussies mit ebenso unangebracht-sommerlicher Kleidung. Erkältungen müssen absolute Hochkonjunktur haben,..Apotheker in Melbourne, eine Goldgrube. Ich denke, dass die Melbournites schlicht zu bequem sind, um sich für 2 Monate Kälte richtig vorzubereiten. Sie warten einfach, bis es wieder wärmer wird… Abendessen: Drei Take-away-Pizzas (gestern war Take-away-Pasta an der Reihe, ausser D, der Pizza hatte (wie den Abend zuvor) - Ihr seht, wir leben gesund).

Am Samstagnachmittag werden wir Hannah und Bassie abholen und dann die Fähre nach Tasmanien boarden (www.spiritoftasmania.com.au). Vorsichtshalber haben wir zwei Kabinen gebucht, eine zum Schlafen und eine zum … (was man eben so macht, wenn man seekrank ist). Wir freuen uns auf die Reise, wird sicher ein Riesenerlebnis. Der einzige Wermutstropfen für F: Wir reisen während der Nacht, weshalb er seine Artenliste nicht mit Seevögeln aufpeppen kann. Für D hat die Reise schon heute begonnen: Wir haben die Fähre vom Wolkenkratzer aus gesichtet, den wir in der Stadt zwecks Aussicht hochfuhren.

Nach zwei Wochen Tasmanien werden wir ziemlich schnurstracks wieder nach Noosa fahren. D wird nochmals eine Woche zur Schule gehen und A und F werden nochmals ihren Leidenschaften nachgehen (am Meer zmörgelä, surfen und Rippen verstauchen, lesen, etc.). Vielleicht versuchen wir auch, langsam wieder einen Schweizer-Modus-vivendi aufzubauen - aber das kommt noch früh genug.

Von Tassie aus kann ich vielleicht nicht mehr so häufig bloggen, wir werden sehen. Eine gute Zeit und bis bald wieder auf diesem Kanal.

Hoch oben im Leuchtturm

June 26, 2008 by muellergambling

Als F ein kleiner Junge war und mit seiner Familie jeweils in die Ferien ging, pilgerten wir so sicher wie das Amen in der Kirche zu jedem bekannten Gotteshaus in der Nähe – eine Leidenschaft von F’s Mutter. Heute pilgert F zu jedem Leuchtturm im Umkreis von 100 Kilometern – eine Leidenschaft von A. Müsste F zwischen den beiden Leidenschaften wählen, würde er die Leuchttürme vorziehen. Um diese herum hat es meist mehr Vögel als um die Kirchen rum…

 

Unser Ziel-Leuchtturm westlich von Eden war jener in Point Hicks (siehe Bild). Mit diesem Lighthouse (F sagt zu D jedes Mal zuerst Leuchthaus statt Leuchtturm) sind drei spezielle Dinge verbunden: Erstens ist Point Hicks jenes Kap, das Captain James Cook im Jahr 1770 als erste Landmasse von Terra Australis erspähte. Benannt ist es nach Lt Zachary Hicks, der im Ausguck stand und „Land“ rief. Zweitens ist es der höchste Leuchtturm auf dem Festland. Und drittens liegt es inmitten einer berückend wilden Küstenlandschaft, die heute über mehrere Dutzend Kilometer durch den Croajingolong-Nationalpark geschützt ist.

 

Mit dem Auto kann man über 30 km dirt roads bis auf 3 Kilometer an den Leuchtturm heranfahren. Den Rest liefen wir bzw. ritt D auf F’s Schultern. Am Kap wehte ein so stürmischer Wind, dass wir kaum aufrecht stehen konnten. Die Wellen schlugen mit Getöse auf die Felsen auf und ein Gemisch von Salzwasser und Sandkörnern schmirgelte uns um die Backen. Also nichts wie ab in den Windschatten des Leuchtturms. Kaum waren wir um die Ecke gebogen, steht ein hochgewachsener, schlaksiger Mann Mitte Fünzig mit Dreitagebart vor uns. „Paul, I’m the lighthouse-keeper“, stellt er sich vor. Dies lässt ihn ihn D’s Augen zu einer Respektsperson sondergleichen werden. Fortan hängt er nur so an Pauls Lippen und saugt jeden Fetzen Information ein. Zu D’s Entzücken zückt Paul den Schlüssel zum Turm und lädt uns zu einer Tour ein (wirklich eine Ausnahme!). F gibt mit einem akuten Anfall von Vertigo nach einem Drittel der Höhe auf (und versucht aus einem weiss-grauen Flecken im Ozean draussen einen Shy Albatross zu machen). Doch A und D schaffen es bis nach oben und schreien dann herunter, wie wundervoll die Aussicht dort oben sei (siehe Bilder). Paul setzt D in das Glasgehäuse des alten Lichts (siehe Bild; heute wird nur noch ein kleineres, solarbetriebenes Licht eingesetzt) und dreht ihn herum, so wie sich früher auch die Lampe drehte.

 

Danach lud uns Paul (siehe Bild mit D) noch das lighthouse-keeper’s cottage ein, in dem er mit seiner Frau wohnt, wenn er Dienst hat. Sehr karg, sehr stilvoll renoviert, viele alte Bauteile aus dem 19. Jahrhundert sind erhalten. Und was für eine Aussicht vom Balkon. Ein Lebensstil, an den man sich rasend schnell gewöhnen könnte, wenn man ein bisschen Einsamkeit erträgt. Neben dem Kontrollieren des automatischen Signallichts gehören noch einige andere Aufgaben zu Pauls Pflichten: Wettermeldungen, Coast Watch (für die Zollbehörden und gegen Fischerei- und Muschelwilderer) und die Administration von zwei Ferien-Cottages und eines Campsites im Nationalpark. Am Abend stiefelt er zur Küste runter und fängt sich einen Fisch fürs Nachtessen. Den Job als Lighthouse-Keeper macht er jeweils für zwei Wochen und ist dann vier Wochen auf seiner Farm in Buchan im Tal des Snowy River. Drei Monate im Jahr ist er in Indonesien, wo er weitere Projekte verfolgt. Paul, the man from Snowy River, und ein typischen Beispiel für jene (alles andere als seltenen) Australier, die mit dem Leben in den Städten nichts anfangen können und sich auf dem Land eine Patchwork-Existenz aufgebaut haben.

 

Auf dem Rückweg kamen wir an einem Wegweiser vorbei, der zum Mueller River weist. Der Name geht auf Baron Ferdinand von Müller zurück, den Chefbotanisten der viktorianischen Regierung im 19. Jahrhundert. D war nach seinem Leuchtturm-Abenteuer bereits in tiefsten Schlaf versunken, weshalb wir auf ein Foto mit zwei Müllers neben der Tafel verzichteten.

Old Tom und seine Killerwal-Bande

June 26, 2008 by muellergambling

Eden liegt eine Autostunde nordöstlich von Gipsy Point. Unser Ziel dort: Das Killerwal-Museum (www.killerwhalemuseum.com.au) . Auf dem Weg dorthin hatten wir noch eine nicht-maritime Begegnung mit einem Emu, das in aller Seelenruhe die Strasse überquerte – wir bremsten, der „dickhead“ hinter uns befand das für nicht nötig, überholte und streifte den Riesenvogel fast. So viele Australier es gibt, die sich mit Leib und Seele für ihre Wildtiere einsetzen und zum Beispiel Waisennachwuchs von Roadkill-Känguruhs etc. aufziehen, so viele gibt es, denen ein Tierleben schlicht nichts wert ist.

 

Dies kann man von den Walfängern von Eden nicht sagen – sie bestritten mit den Buckel-, Sperm- und Blauwalen, die sie jagten ihren Lebensunterhalt. Die Ära des landbasierten Walfangs dauerte in der südlichsten Ortschaft von New South Wales 100 Jahre, von 1828 bis 1928. Während der letzten Jahrzehnte war nur noch eine Walfangstation, jene der Familie Davidson, in Betrieb. Diese verliess sich weitgehend auf Aboriginie-Besatzungen, die die nur ca. 6-7 Meter langen Ruderboote bemannten, sobald ein Wal gesichtet worden war.

 

Mit der Davidson Whaling Station (im Bild mit A und D) ist eine Geschichte verbunden, die man beim ersten Hören und Lesen kaum glaubt – aber sie ist im Museum sehr gut belegt. Es ist die Geschichte von Old Tom und seiner Killerwal-Bande. Diese schwarz-weissen Orcas ernähren sich unter anderem von grösseren Bartenwalen, die für sie aber sehr schwer zu erlegen sind. Irgendwann merkte Old Tom, dass es für sie vorteilhaft wäre, mit den Walfängern zusammenzuspannen – sie sind ja schliesslich mit Flippers Delfinen verwandt. Von da an verlegten sie sich drauf, ihre Beute einzukreisen und in die Twofold Bay zu treiben. War das gelungen, schwammen ein oder zwei der Orcas zur Station und schlugen mit ihren Schwänzen aufs Wasser.

 

Die Aboriginies sprangen in die Boote, ruderten hinaus (manchmal sogar von Old Tom an einem Seil gezogen) und harpunierten den grösseren Wal. Die Orcas drehten daraufhin den Wal so, dass er nicht mehr atmen konnte, bis er starb. Die Walfänger liessen das erlegte Tier für einen Tag draussen, sodass die Orcas sich an den Lippen und der Zunge (bis zu 4 Tonnen schwer) gütlich tun konnten. Danach holten sie den Kadaver an Land und verarbeiteten ihn.

 

Old Tom und andere Orcas, die an ihren Rückenflossen individuell identifizierbar waren und Namen erhielten, kehrten jedes Jahr nach Eden zurück, sobald die Walwanderung von der Antarktis in die wärmeren Gewässer vor Australiens Ostküste und zurück jeweils einsetzte. 1930 – als der letzte Walfang in der Twofold Bay bereits mehr als ein Jahr zurück lag, fanden pensionierte Fischer den toten Old Tom in der Twofold Bay. Er war etwa 35 Jahre alt geworden. Die anderen Orcas wurden nie mehr gesehen. Das Skelett von Old Tom ist heute im Museum ausgestellt.

 

Und noch eine Geschichte aus dem Museum, die vielleicht, vielleicht, vielleicht zur Legende von Jonas im Walfischbauch geführt hat. Weit zurück im 19. Jahrhundert war bei einer Waljagd eines der Boote von einem Spermwal zertrümmert worden. Zwei der Walfänger verschwanden, die anderen wurden gerettet. Einen halben Tag später erlegte ein anderes Boot den Spermwal. Beim Zerlegen des Tieres bemerkten die Arbeiter Bewegungen im Magen und schnitten ihn auf. Sie fanden einen der vermissten Seemänner. Der Magensaft des Wales hatte seine Haut komplett gebleicht und ihn erblinden lassen. Aber er lebte und erholte sich soweit, dass er noch 15 Jahre lebte. Wahr oder nicht,…who knows.

Eden ist ein rauer Ort, nichts von der Kultiviertheit und Milde einer Côte d’Azur oder der vornehmen Zurückhaltung atlantischer Ferienorte in Frankreich und Grossbritannien. Die Leute sehen so alt aus wie sie sind, ober wahrscheinlich älter. Die Hände der meisten Männer sind von harter Arbeit geprägt, ihre Gesichter wettergegerbt. Die Häuser sind sauber, aber ärmlich - erst langsam machen sich Feriensiedlungen breit. Die Fischerflotte von Eden ist auch heute noch eine der grössten entlang der Küste von New South Wales. Wie eng die Bevölkerung mit dem Ozean verbunden ist, sieht man auf dem Friedhof. Er liegt direkt am Strand. Die Grabsteine sind dem Ozean zugewendet. Auf mehr als einem steht: “Buried at Sea”, mit einem Längen- und Breitengrad. Viele der Opfer von Schiffsuntergängen aus dem 19. Jahrhundert liegen unter Grabsteinen, auf den “Unknown” steht.

Gipsy Point - das bestgehütete Geheimnis Victorias

June 23, 2008 by muellergambling

Und schon wieder ein Roman. Sorry,…aber es gibt so viel zu erzählen…

 

Nach den vier Nächten im Busch von Goongerah war uns wieder nach Seeluft. Schon im Voraus hatten wir vier Nächte in der Gipsy Point Lodge (www.gipsypoint.com) gebucht – die Adresse hatte F in einem Birding-Führer gefunden (wen erstaunts….; am Morgen haben wir jeweils Dutzende von Rainbow Lorikeets, die Spatzen der Ostküste – siehe Bild). Am Schluss blieben wir gleich sieben Nächte; erstens, weil es eine enorm vielseitige und naturbelassene Gegend ist, zweitens weil wir es alle drei wunderbar fanden, wieder einmal bei Raumtemperaturen über 5 Grad Celsius zu schlafen.

 

Gipsy Point liegt einige Kilometer südlich von Genoa (da muss ein Italiener im Spiel gewesen sein), das auf der Karte den Eindruck macht, ein grösserer Ort am Princes Highway zu sein. Grösser heisst in diesem Fall zwei Tankstellen, ein Hotel (Pub), ein Motel, ein Laden und einige Wohnhäuser. Das Meer und der Küstenort Mallacoota liegen rund 20 Kilometer weiter südlich. Mallacoota liegt an einem grossen Inlet (einer versunkenen, jetzt see- und lagunenähnlichen Flussmündung – F weiss aus dem Geographie-Studium, dass es dafür einen Fachbegriff gibt, aber verflixt, er fällt mir nicht mehr ein!!! Nöme, kannst du helfen???

 

Gipsy Point besteht aus unserer Lodge (mit privater Bootsrampe), einem Luxus-Motel und zehn bis fünfzehn Wohn- und Ferienhäuser. Permanent wohnen nur gerade 15 Personen im Ort, was unsere Gastgeber Ian und Libby (siehe Bild) sehr schätzen (mit den Leuten, die wir in Oz treffen, haben wir enorm Glück - auch Ian und Libby sind offen, hilfreich, symphatisch und wir haben uns mit big hugs von ihnen verabschiedet). Sie haben die Logde vor zehn Jahren übernommen, nachdem beide vorher andere Jobs hatten – ein durchaus typischer australischer Schritt, sich um die 50 herum nochmals anders zu orientieren. Ian tat dies nach einer langen Karriere bei Siemens, die ihn auch nach Deutschland und teils in die Schweiz führte. Als wir sagten, wir kämen aus Zürich, fragte Libby sofort: Kennt Ihr Fehraltorf? Sie hatte dort einige Monate mit ihren Kindern bei Schweizer Freunden gewohnt.

 

In der Lodge und der ganzen Gegend läuft im Winter nicht viel. Wir sind zurzeit die einzigen Gäste und das Restaurant ist geschlossen (kein Kafi für F,…bugger!!!). Das Positive daran: Ruhe, absolut menschenleere Strände und Libbys und Ian Tipps à discretion. D hat gleich Ians Mietboote mit Beschlag belegt und spielt darin Captain. F übernimmt den Part des Bootsjungen. Nach diesem Training ging es ans Wassertraining mit einem Ruderboot, das zur Lodge gehört. Gelagert war es auf zwei Baumstämmen und mit vereinten Kräften gelang uns eine perfekte Wasserung,…bis das Boot anfing, mit Wasser vollzulaufen. F hatte vergessen, den Zapfen des Entwässerungslochs zu schliessen. Nach einer Blitzevakuation ging es beim zweiten Versuch besser und D wollte schon bald mitrudern, weshalb wir nachher rückwärts durch den Genoa River kurvten, an White Bellied Sea-Eagles und Whistling Kites vorbei. Das Ruderboot wurde für zwei Tage zum Lebensmittelpunkt, bis hin zum Zvieri-Picknick.

 

Da wir eine ganze Woche in der Lodge blieben, konnten wir die ganze Gegend erkunden. Den rauen Wintercharme von Mallacoota mit seinem Mix von Fischern, Farmern, Grey Nomads, gelangweilten Ladenbesitzern und kauzigen Pensionären. Die phänomenalen Strände westlich von Mallacoota, bis hin zum Shipwreck Creek – wo D eines seiner legendären Tanties produzierte („tantrum“ ist zu gut deutsch ein Wutanfall), weil es wieder einmal regnete und er einmal mehr nass wurde. Und den Bunker beim überdimensionierten WWII-Airstrip von Mallacoota – der Bunker war im 2. Weltkrieg das regionale Hauptquartier der australischen Küstenwache, die die Abwehr gegen japanische U-Boote und deutsche Raider koordinierte.

 

Am Abend nach dem Bunkerausflug stürmten wir alle drei aus dem Haus, weil wir einen haarsträubenden Schrei aus den Bäumen gehört hatten. Nach einigem Spähen mit Taschenlampen fanden wir den Urheber: Einen Yellow-bellied Glider. Und weil wir ihn ganz nett baten, zeigte er uns gleich noch einen 50-Meter-Segelflug von einem Baum zum anderen,…ziemlich beeindrucken, wie sie einfach die Flughaut zwischen ihren Vorder- und Hinterbeinen spreizen, sich dann in die Luft katapultieren und auch noch den anvisierten Baum treffen.

 

Einen ganzen Tag verbrachten wir in Eden, ca. eine Autostunde nordöstlich von Genoa. Höhepunkte: das Killer Whale Museum und die Geschichte von Old Tom (siehe separaten Blog-Eintrag). Danach fuhren wir im strömenden Regen noch 50 Kilometer dirt road, um den Leuchtturm auf dem Green Cape zu besichtigen. Denn: Was für F die Vögel sind, sind für A die Leuchttürme. Weshalb wir auch einen Tag später zum Point Hicks tourten, auf dem der höchste Leuchtturm Kontinental-Australiens steht (siehe separater Blog-Eintrag).

 

PS 1: D und F spielen wieder Schach. Allerdings hat D vorerst die Nase voll von analytischem Brettspiel und F’s Tipps. Wir benutzen daher das Brett für das Re-Enactement der Schlacht vor den Toren des Black Gates (LotR 3 für Eingeweihte). Die Bösen gewinnen jedes Mal ohne Verluste. Sie dürfen aber nur in die Schlacht ziehen, wenn D seine Home-Schooling-Aufgaben für den Tag erledigt hat…

 

PS 2: F ist happy,…er hat den sehr seltenen Hooded Plover erspäht. Im Gegenzug hat sich der Southern Emu-Wren, der „abundant“ sein soll, bisher im Gestrüpp versteckt, ebenso der Ground Parrot, der noch vereinzelt in der Gegend vorkommen soll. A macht erste Bemerkungen, dass sie jetzt dann genügend Birding-Stopps eingelegt habe. D dagegen hat Feuer gefangen und will jetzt sein eigenes Vogelbuch haben (dasselbe wie F natürlich). Er wird es morgen erhalten.

 

PS 3: Neues Favoritenspiel fürs Autofahren ist Witze erzählen. D’s Lieblingswitz sind jener mit Hansli, Znünibrot und dem lieben Gott und jener mit Hansli, bisle, dem Pfarrer und „alles Gute kommt von oben“. F muss Uralt-Witze hervorkramen, die ihm sein Vater erzählt hat. Das aktuelle Repertoire ist entweder zu kompliziert oder nicht jugendfrei. Ausser dieser: „Wisst Ihr, wie man erkennt, dass ein Elefant im Kühlschrank war? An den Fusstööpli im Ankä.“

In den Regenwäldern Victorias

June 23, 2008 by muellergambling

Liebe Leserinnen und Leser: Jetzt folgt ein ellenlanger Roman. Wie immer gilt: Bildli anschauen erzählt schon viel,…aber nicht alles.

 

Also: Jetzt die Geschichte von A, D und F in Goongerah. So heisst eine Lichtung im Tal des Brodribb-Rivers, der parallel zum Snowy River aus den Bergen Richtung Orbost und Tasman Sea fliesst. Die Lichtung erreicht man, indem man am Ortsausgang von Orbost in Eukalyptus-Wälder einfährt, dann mindestens 3x so viele Kurven fährt wie zwischen Chur und Arosa und nach ca. 60 Kilometern in der ersten Lichtung wieder aus den Wäldern auftaucht – das wäre dann eben Goongerah. Das erste Haus von Goongerah,das wir sahen, war auch das erste Haus, das wir seit Orbost gesehen hatten. Das erste Mal fuhren wir die Strecke an einem regnerischen und nebligen Tag gegen Abend – eine verwunschene, gruselig schöne Stimmung, in der Peter Jackson problemlos seine Fangorn-Forest-Szenen für „Lord of the Rings“ drehen können (dort wo die Ents leben,…Ihr erinnert Euch sicher). Zwischendurch waren wir uns nicht mehr so sicher, ob wir das Ziel je erreichen würden,…der Weg war endlos.

 

Goongerah hat 50-60 Einwohner, ca. ein Drittel davon Kinder – das reicht im australischen Busch für eine eigene Schule. Zumikons Schulbehörden, die ihre Primarschule schliessen mussten, werden jetzt vor Neid erblassen; logo, …die Distanzen sind anders.

 

Die ersten Siedler kamen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Goongerah und rodeten sich Weideflächen. Hundert Jahre später bildete eine bunt gemischte Truppe aus Aussteigern und Selbstversorgern die zweite Welle, die den Ort heute besiedelt. Eine der Pionierinnen dieser zweiten Welle war Jill Redwood, eine Farmerin und beseelte Kämpferin gegen das Abholzen der ursprünglichen Wälder von East Gippsland (so heisst diese abgelegene Region Victorias). Bei Jill kamen wir unter, und zwar in einem Cottage mit zwei Schlafzimmern, das sie vermietet (http://www.eastgippsland.net.au/jacarri/ ). Vier Nächte blieben wir dort und froren uns erst einmal den A…. ab. Die einzige Heizmöglichkeit ist ein über hundertjähriger Holzofen (siehe Bilder) mit einer winzigen Feuerkammer. Gewusst wie, bringt man das Ding rasch auf Touren und das Cottage auf Temperaturen, die es einem mit drei Lagen an Pullis recht gemütlich finden lassen (nicht vergessen: wir sind mitten im australischen Winter und sind weit nach Süden gereist). Am ersten Abend wusste F aber noch nicht wie! Ergo gingen drei durchfrorene und müde Reisende nach einem Tomatensüppli mit Möckli sehr früh und dick vermummt in die Schlafsäcke. D’s Laune war gerettet, als er entdeckte, dass er in einem Kajütenbett schlafen durfte.

 

Die nächsten Tage kriegten wir den Metters-Ofen (so heisst die in Australien ikonische Marke) in den Griff – der Erfolg kehrte ein, als F beim Holzhacken die Scheiter kleiner machte als am ersten Abend. Das ging soweit, dass F auf dem Ofen einen ganzen Znacht mit Beef-Sausages, Steaks und Mashed Potato kochte (und sich dabei nur einmal am Arm verbrannte – etwas, das A am Tag drauf gleich kopierte). Kalte Füdlis setzte es danach nur noch ab, wenn wir auf das Kompost-WC raus mussten, das sich ausserhalb des Cottages in einem kleinen Hexenhäuschen (Bild) befand. Anfangs hatten wir schlimmste Befürchtungen, dass D sich nun vier Tage weigern würde, aufs Klo zu gehen. Am ersten Abend umschifften wir das Problem mit einem Nachttopf-Gang im Schlafzimmer (Nachttopf-Rand auf dem Ofen auf 36 Grad angewärmt). Am nächsten Morgen entdeckte D das kleine, solarbetriebene Lämpchen im WC-Häuschen, das Jill installiert hatte, damit man sich auch nachts zurechtfindet. Von da an war der Gang aus Klo „of high interest“ für den Junior. Nur fürs Duschen konnten wir ihn nicht begeistern, obwohl es warmes Wasser (mit Holz eingeheizt) hatte.

 

Jill (siehe auf dem Foto mit A und ihrem Hund Roo) ist eine raue und herzliche Frau, die sich ihre Existenz auf der Farm von Grund auf selbst aufgebaut hat. Als sie Mitte der 80er-Jahre ankam, stellte sie zuerst in drei Wochen eine Rindenhütte auf (die heute noch steht) mit einem gestampften Erde-/Kiesboden. Darin lebte sie acht Jahre, bis sie sich ein grösseres Haus baute. Ihre ökologische Grundhaltung zieht Jill von A bis Z  durch. Sie baut ihr eigenes Gemüse an (siehe Bild) und hält Hühner, Gänse, Geissen und Alpakas (die sie auch züchtet). In einem mit Netzen zugedeckten Obstgarten wachsen Pflaumen, Birnen, Mandarinen, Zitronen, Trauben und mehrere Apfelsorten (die jedes Jahr 300 Liter Apfelsaft hergeben). Als Trinkwasser benutzt sie Regenwasser, das Brauchwasser kommt via Wasserrad (siehe Bild) nach einem alten maurischen Prinzip ins Haus. Diesem Wasserrad verdanken wir übrigens auch den Tipp für das Cottage, weil Jill im Magazin „Earth Garden“ (www.earthgarden.com.au)  – der australischen Bibel für Aussteiger, Selbstversorgen und Home Builders (Strohballenhäuser, Schlammziegelhäuser, Erdhäuser etc.) – darüber berichtete und ihre Website angab. D war auf der Farm mit all den Tieren wieder voll im Element – seine Lieblinge waren die beiden Pferde Jenka und Bonny und die drei Hunde Mr. Big (ein italienischer Maremma), Roo und Peter. Wollte man mit denen keine Troubles haben, mussten wir uns mit einem lauten Coo-eee melden, bevor wir die Farm betraten. Katzen hat sie keine auf ihrer Farm – abgesehen von Dutzenden von Fellen von „Feral Cats“, die sie in Fallen fängt. Was sie mit dem Fleisch der Katzen macht, trauten wir uns nicht zu fragen…

 

Neben ihrer Farm hat Jill eine zweite Passion: Die Politik. Sie ist in ihrer Gegend eine der Galionsfiguren der australischen Grünen und wenn wir auf einen Besuch zu ihr gingen, sass sie meist vor ihrem Laptop (mit Solarstrom gespiesen und via Satellitenantenne mit der Aussenwelt verbunden), mailte sich durch einen Wahlkampf oder telefonierte mit einer Radiostation, um sich in einer Talk-Back-Sendung mit konservativen Anrufern zu streiten. In Melbourne holen sich die Grünen inzwischen in den wohlhabenderen Vierteln bis zu 30 Prozent der Stimmen. Staatsweit sind es ca. 15 Prozent.

 

Jills „Lieblingsthema“ ist das in Victoria und insbesondere East Gippsland  immer noch gängige Abholzen von sogenannten Old Growth Forests (also ursprünglichen Urwäldern). Die meisten anderen australischen Staaten haben diese Praxis inzwischen eingestellt – mit Ausnahme von Tasmanien, das mit seiner korrupten Liaison zwischen Politik (Labour), Holzarbeitergewerkschaften und privaten Holzgesellschaften immer wieder Negativschlagzeilen schreibt. Jills Kommentar dazu: „In Tasmanien spricht man darüber, hier nicht – aber es sind dieselben Strukturen.“ Mit Gleichgesinnten  (www.eastgippsland.net.au) lancierte Jill vor 20 Jahren eine bis heute andauernde Kampagne. Mit medienwirksamen Blockaden von Forstmaschinen, Anketten an Bäumen und dem Aufzeigen der Folgen von grossflächigen Kahlschlägen schaffte ihre Gruppe es, so viel Druck aufzubauen, dass die Regierung einige der Wälder in der Umgebung von Goongerah in einen neuen Nationalpark (Errinundra National Park) einschloss. Allerdings nicht ohne vorher in benachbarte, ebenso wertvolle Wälder Forststrassen zu schlagen – und per von der Regierung ebenfalls gleich festgelegter Definition konnte ein so erschlossener Wald nicht mehr als Urwald gelten und demzufolge nicht mehr in den Nationalpark einbezogen werden.

 

Auf Jills Tipp hin besuchten wir einen solchen Wald, der rund eine halbe Stunde Autofahrt von Goongerah entfernt liegt (Brown Mountain und Legge Road). Schon die Fahrt dahin, über eine Kies- und Schlammstrasse (mit Schleuderfahrt um die eine oder andere Kurve selbst bei Tempo 20) war ein Abenteuer (inklusive dem vergeblichen Tankstopp bei der einzigen Tankstelle innerhalb der nächsten 60 Kilometer, die geschlossen war, obwohl sie nach ihren Öffnungszeiten eigentlich hätte bemannt sein müssen – wir mussten unsere Reisepläne für die nächsten Tage deshalb ziemlich ändern). Der Weg führte durch Baumfarn-bestandene Hänge (siehe Bild), in denen man sich ebenso gut in einem peruanischen oder ghanaischen Dschungel hätte wähnen können. Entlang eines Tracks, den Jill markiert hatte, fanden wir nach einem einstündigen Marsch durch den Regen Eukalyptusbäume (Shining Gums und Mountain Grey Gums), die gut und gerne einen Umfang von neun Metern (siehe Bild) und eine Höhe von 60 Metern hatten. Nach dem fünften Riesen wurde es D zu nass (lauthalser Protest) und wir kehrten um.

 

Jills Ärger: Trotz dieser ursprünglichen und immer seltener werdenden Waldform ist die Gegend für einen Kahlschlag freigegeben. Diese Nutzungsform zerstört nicht nur den Urwald, sondern verhindert meist auch das Nachwachsen eines artenreichen neuen Waldes (ganz abgesehen davon, dass die staatliche Forstgesellschaft sowieso am liebsten überall Plantagen aufforsten würde). Das in den Urwäldern gewonnene Holz wird nicht etwa für hochwertige Zwecke eingesetzt, sondern wird in Eden (NSW) in einer Woodchip-Mühle zu Schnitzeln geschreddert. Diese werden billigst nach Japan exportiert und dort zu Papier verarbeitet.

 

Eine Ahnung davon, wie viele Urwaldriesen so in den Schreddern enden, gewannen wir, als wir Goongerah via Bonang, Delegate und Bombala verliessen und dann Richtung Eden an die Küste hinunterfuhren. Alle fünf Minuten kam uns ein leerer Holztruck entgegen – alles neunachsige Ungetüme, die ihre Fracht bereits abgeliefert hatten. Und regelmässig überholten wir aus Victoria kommende Trucks, die noch auf dem Weg dorthin waren. Eine bessere Holzpraxis verfolgt New South Wales: An vielen Orten sind auf nicht mehr genutzten Weideflächen Plantagen mit Nadel- und Eukalyptusbäumen angelegt worden. Zwar kein schöner Anblick, aber immerhin ohne Kahlschlag von alten Wäldern – und heute als CO2-Senke eine neue Business-Möglichkeit.

 

PS 1: Einen Tag nahmen wir eine Auszeit vom Urwald und fuhren nach Orbost und Marlo (Cape Conran) an die Küste. Menschenleere Strände (ausser D, siehe Bild). Dörfer, in denen die Einheimischen jeden Fremden noch mit einem Winken begrüssen. Und für F die Pacific Gull…. Auf dem Rückweg hielten wir an der Mündung des Snowy Rivers, den wir entlang seines Laufs begleitet hatten, ins Meer. D feierte den bewegenden Moment mit dem, was er an jedem Ufer tut: Er warf einen Stein rein (siehe Bild).

 

PS 2: Auf dem Weg nach Orbost musste A aufpassen, dass sie keinen der seltenen und laut Birding-Buch sehr schwer zu beobachtenden Superb Lyrebirds ( http://en.wikipedia.org/wiki/Superb_Lyrebird ) über den Haufen fuhr. Die hühnergrossen Vögel mit ihren leierhaft ausgebildeten Schwänzen (Männchen wie meist im Vogelreich auffälliger als Weibchen) hielten sich en masse am Strassenrand auf (Sonnenbad oder beginnende Paarungszeit).

 

Der Ruf der Snowy Mountains

June 19, 2008 by muellergambling

Nach aberhunderten von Kilometern durch Busch, Schaf-Weideland und brache Weizenfelder war uns wieder nach etwas mehr Elevation (akuter Ausbruch des Voralpen-Genes bei F – und sogar für A war es schlicht zu flach). Also ab in die Berge! Und die gibt es ja tatsächlich in Australien. Die australischen Alpen – oder viel schöner: Snowy Mountains - türmen sich über 2200 Meter hoch auf – bis zum höchsten Gipfel, dem Mount Koscziusko mit 2228 Metern über Meer (http://en.wikipedia.org/wiki/Mount_Kosciuszko ). Die steilen Gipfel fehlen, weil die Snowy Mountains sehr viel älter sind als die europäischen Alpen. Die langgezogenen, einsamen Gebirgsrücken mit riesigen Wäldern und einzelnen Felskliffs sind trotzdem mehr als eindrücklich. Wo fährt man in Mitteleuropa schon mehr als eine Stunde durch Wälder, ohne ein Haus zu sehen (nur eine gedeckte Toilette der Nationalpark-Behörde) und ohne ein anderes Auto zu kreuzen? Was die australischen mit den europäischen Bergen gemein haben: Es kann sehr, sehr kalt werden. An der frischen Luft waren wir mit vier Schichten an Pullis, Kappen und Handschuhen unterwegs.

 

Als wir in die Täler der Snowies einfuhren, hüllten sich die Gipfelkuppen in dichte Wolken. Bevor wir in Tumut, wo wir die Nacht verbracht hatten, losfuhren, erkundigten wir uns über die Strassenbedingungen. Zum Glück,…denn die Dame im Nationalpark-Büro teilte uns lakonisch mit, dass die Pässe, die wir fahren wollten, bereits für die Winterzeit geschlossen seien. Auf der Alternativroute sah sie keine Probleme, weil es noch nicht nach Schnee roch.

Deshalb fuhren wir auch in Khancoban ohne Stopp vorbei und liessen das Signal „Snow Chain Hire“ unbeachtet links liegen. War wohl der letzte Tag, an dem wir das tun konnten. Am Tag danach warf Frau Holle eine ganze Schneeladung über das Gebirge ab. So aber sahen wir den Snowy Creek noch ohne Eisschicht (siehe Bild) – er ist die Quelle des Murray-River-Systems, eines der grössten Flusssysteme Australiens (das heute leider kaum mehr den Ozean erreicht, weil zu viel Wasser für die Bewässerung entnommen wird – erst jetzt hat die Regierung erste Schritte dagegen eingeleitet).

 

Der Pass, den wir über die Snowies nahmen, trägt den wunderbaren Namen „Dead Horse Gap“ (weil mal eine Herde von Brumbies – Wildpferden – dort oben auf fast 1600 Metern eingeschneit wurde. Vom Fahren her würde ich den Übergang übrigens durchaus mit Bernina oder Julier vergleichen – einfach 5x länger! Die Aussicht vom Gap aus hinunter ins Tal des Ski-Ressorts Thredbo (siehe Bild) ist einmalig schön und wild. Thredbo selbst bietet einige Sessellifte und Abfahrten, die unseren Asse Bernhard Russi und Roland Collombin (ich zeige mein Alter, ich weiss) aber kaum mehr als Ruhepuls abverlangt hätten. Als wir durchfuhren, hatte es kaum Schnee, nur einige Fleckchen Kunstweiss, auf denen Kinder Schlittenfahren übten.

 

Ab Dead Horse Gap oben entspringt eine der Quellen des filmisch veredelten Snowy Rivers („The Man from Snowy River“  ( http://en.wikipedia.org/wiki/The_Man_from_Snowy_River )– die ultimative Antwort der Australier auf John Wayne und Konsorten, wenn auch mit Kirk Douglas in einer der Hauptrollen; aber irgendwie musste man ja den Film auch in Amerika anpreisen). Unser Projekt: Wir wollten dem Snowy River bis zur Mündung in die Tasman Sea folgen – davon später.

 

Nach einer Stop-over-Nacht in Cooma (immer noch im so genannten High Country) erreichten wir nach einer weiteren langen Etappe unser nächstes Etappenziel, an dem wir länger blieben: Goongerah, ca. 80 Kilometer von der Küste entfernt (60 Kilometer nördlich von Orbost für die Geographen unter Euch), komplett im Busch und inmitten von wunderschönen gemässigten Regenwäldern (Errinundra National Park und Snowy River National Park in Victoria). Für vier Nächte liessen wir uns in einem Cottage (siehe Bild) auf der Farm von Jill Redwood nieder. Sie ist eine Lead-Figur der Australian Greens, mehr oder weniger Selbstversorgerin und kämpft seit mehr als 20 Jahren gegen den Kahlschlag der urtümlichen Wälder in East Gippsland (so heisst die Region). Tönt nach einer spannenden Geschichte, oder? Mehr bald auf diesem Blog…

Im Busch! Vögel finden! Und die Boys bei Laune halten!

June 19, 2008 by muellergambling

Wir wollen auch jetzt keine geograpischen Feindetails zumuten (das machen wir dann während der Dia-Show, wenn wir wieder zuhause sind, gälled….). Nur soviel: Vor etwas weniger als einer Woche waren wir einige hundert Kilometer nordöstlich von Melbourne in einem Inland-Seen-System, dessen Hauptlagune Lake Cargellico (Bild) heisst. Das ist wirklich tiefer Busch (aber bei weitem noch kein Outback, nach dem alle Touristen immer fragen!!!). Das äussert sich etwa darin, dass ein Städtchen mit 1200 Einwohnern das Zentrum einer Gegend ist, in der das Schweizer Mittelland gut Platz hätte. Die Leute sind kernig und extrem freundlich. Als wir eine Abblendlicht-Birne wechseln mussten, nahm der Verkäufer die Sache gleich selbst in die Hand (nachdem F klar gemacht hatte, dass er schon bei der Demontage der alten Birne kläglich gescheitert war). Beim Zahlen wollte Anne von 13.60 AUS-Dollar auf 15 Dollar aufrunden. Ging nicht, der Verkäufer nahm den Batzen nicht an und sagte nur: „Out here we look after our visitors, …don’t get enough of them.“

 

Danach fuhren wir weiter Richtung Süden in die Riverina-Gegend (mit den Städten Griffith und Leeton), eine der Fruchtschalen Australiens (was für ein kärgliches Wortspiel,…funktioniert nur in Englisch). Vor mehr als hundert Jahren fanden grosse Scharen von Italienern ihren Weg dorthin, und deshalb heissen heute viele der grossen Aussie-Weinhäuser De Bortoli Wines, Dal Broi Wines etc. Die australische Mafia soll heute noch tief in dieser Gegend wurzeln, heisst es.

 

Von dem merkten wir natürlich nichts. Unser (bzw. A’s) Hauptaugenmerk gilt weiterhin der Frage, wie sie ihre beiden Boys zufrieden hält. Ein blendendes Beispiel für ihren täglichen Einfallsreichtum: In Lake Cargellico zog es F unwiderstehlich in die Sewage Ponds (zu deutsch: Klärtümpel der Kläranlage). Der einfache Grund: Den Birdies gefällt es dort besser als im See, weil die Tümpel mehr Nahrung bieten. F erhielt vor Ort 15 Minuten zugestanden und A trottete mit D zum nahen Bahnübergang (siehe Bild), wo er fasziniert die Signale studierte und auf den nächsten Zug wartete (dürfte in ca. 4 Monaten fahren, wenn der Winterweizen geerntet wird). Resultat: Beide glücklich und pünktliche Abfahrt. Dachten alle,…aber da sah F eine verdächtige Shilouette auf einem nahen Eukalyptus-Baum. „Bin gleich wieder hier“, …nach weiteren 15 Minuten war dann klar, dass es sich um eine für F neue Papageien-Art handelte, den „Blue Bonnet“ ( http://www.aviceda.org/abid/birdimages.php?action=birdspecies&fid=20&bid=223).

 

So läuft das beim Birdwatching übrigens oft. Die interessanten Arten sieht man nicht dort, wo man sich extra hinbemüht, anschleicht und von Mücken verstochen verharrt, sondern beim Einsteigen ins Auto, auf dem Parkplatz nach der 6-stündigen Pirsch oder am Strassenrand (siehe das Bild der Dutzenden von Galahs; das nahe Ramsar-Feuchtgebiet in Leeton gab dagegen kaum was ab).

 

Cheer’s, we’ll keep you posted!

D wird Sternenforscher

June 19, 2008 by muellergambling

Kleiner Rückblick in verschiedener Hinsicht: Reisezeitlich gehen wir etwas mehr als eine Woche zurück, als wir auf dem Newell Highway in den Western Plaines (siehe Bild) von New South Wales Richtung Südwesten unterwegs waren.

 

Gegen Ende eines grauen Tages legten wir auf lautstarkes Monieren des einzigen Kindersitzpassagieres einen Zwischenstopp beim australischen Weltraumteleskop in Parkes ein (www.csiro.au/parkesdish  ). Vorgesehen war der Besuch eigentlich für die Rückreise Richtung Norden, aber eben…..

 

Der zweite Rückblick geht’s in Jahr 1969 zurück, genauer in die Zeit der ersten Mondlandung. Das Radioteleskop in Parkes spielte damals als Relais-Station zwischen der Apollo-Besatzung und den Bodenstationen auf der Erde eine zentrale Rolle. Ohne Parkes hätte die NASA keinen blassen Schimmer gehabt, wie schnell die Herzen der drei Herren auf dem Mond schlugen. Und viel schlimmer: Ohne die riesige Schüssel im australischen Busch hätten wir Erdenbürgerinnen und –bürger auf unsere Direktübertragung vom Erdtrabanten verzichten müssen („Ein kleiner Schritt für Mr. Armstrong, ein grosser Schritt für die Welt“,…oder so ähnlich). Seid Ihr damals auch extra aufgestanden? Ehrlich gesagt,…kann mich nicht mehr erinnern, wie ich das damals als 5-Jähriger hielt.

 

D war von der Schüssel mehr als fasziniert und wollte danach ca. einen Tag lang Sternenforscher werden. Ausschlaggebend dafür waren weniger die technischen Möglichkeiten der High-Tech-Installation bis hin zur Suche nach UFO’s (haben sie tatsächlich gemacht), sondern das Fakt, dass die riesige Schüssel sich nach lauten Warnhupereien genau dann zu bewegen begann, als wir eintrafen. In der Aussstellung konnte D dann mit kleinen Hebeln das ganze Prozedere nachspielen. Wonderful!!!

 

Ebenso wonderful war ein Beispiel für den knochentrockenen australischen „sense of humour“, das wir in der Ausstellung sahen. Inmitten von wissenschaftlichen Erläuterungen und Schemen fand sich ein Bild eines schnauzbärtigen jungen Ingenieurs, der in kurzen Hosen und Gummi-Strandschlarpen („thongs“) daran war, Kabel zu prüfen. Darunter die Legende:

 

 „Engineer Mr. John Brooks checks circuits in the autocorrelator. (John is now Assistant Director of the Australia Telescope National Facility, and no longer wears thongs to work).”

 

Kurze Hosen aber wahrscheinlich weiterhin…

Oakhampton: D wird Farmer!

June 11, 2008 by muellergambling

Allora,…wir wollten ja drei Nächte in Oakhamtpon (www.oakhampton.biz ) bleiben. Daraus wurden dann vier, weil D nicht mehr weg wollte (und weil A und F ebenfalls sehr angetan waren). Da war zuerst mal unsere Unterkunft: In der alten Unterkunft der Schafscherer, die früher 6-8 Wochen auf der Farm lebten, um die bis zu 30′000 Schafe zu scheren. Heute haben Belinda und ihre Söhne James und Rex auf Cattle umgestellt, weil Schafe nicht mehr rentierten. Unsere Küche und die gute Stube hätten für 50 Personen gereicht. Vorteil: Nur am Schluss abwaschen, dann dafür ziemlich lange. Nachteil: War zwischendurch ziemlich kalt. Aber mit 5 grossen Hartholz-Zaunpfosten im Cheminée lässt sich das aushalten.

Und dann waren da all die Tiere: Belinda und James (die beiden sind für die Farmstay-Gäste zuständig und sind enorm gute Gastgeber) haben eine ganze Menagiere rund um das Haus, angefangen beim sprechenden Sulphur-Crested-Cockatoo George, über die blinde Kuh Cinderella (rennt alles über den Haufen), die Damhirsche, die Ente QuäckQuäck und die vier Hunde bis hin zum Wallaro Graham. Belinda pflegt seit Jahrzehnten verletzte Tiere und solche, die keine Mutter mehr haben. Grahams Mutter wurde von einem Auto angefahren und deshalb ist der Kleine jetzt in einem Ersatzbeutel und erhält Milch aus der Flasche, bis er später dann wieder seine eigenen Wege gehen kann.

D war am Morgen und am Abend voll beschäftigt, alle Tiere zu füttern. Der wichtigste Job: Butternut-Crunch-Cookie für George, der dafür was vorsang. Danach war Reiten angesagt,…am Abend haben wir uns dann die Reitkünste der Jackaroos im Film “The Man from Snowy River” angesehen. Schon was…. das lernen wir mit 45 wohl nicht mehr, aber vielleicht D????

Übers Mittagsessen gabs Birdwatching für F und danach gingen wir mit James fischen. D was fasziniert, fast noch mehr als vom Reiten. A hält vom Fischen nichts, hat aber dann am zweiten Tag gleich einen 4kg-Murray-Cod rausgezogen (eigentlich war es James, aber da er und F ein Foto machen wollten, musste A die Rute halten). Das Nachtessen war phänomenal!

Am vierten Tag hiess es dann Abschied nehmen, …D wollte fast nicht mehr weg und spielt auch nach zwei Tagen im Auto heute noch George, wenn er was zu Essen will (selbstverständlich mussten wir nun auch diese Guetzli posten, die George isst). Fazit: D wird Farmer!

Westward bound,…tschüss Ozean

June 11, 2008 by muellergambling

Sorry für die lange Funkstille. Nachdem wir in Peregian Beach gleich um die Ecke einen Wifi-Anschluss und Internet hatten, ging ich ja davon aus, dass wir auch im Landesinnern gut vernetzt wären. Das war - wie sich inzwischen gezeigt hat - ziemlich naiv. Die meisten Caravan-Parks haben zwar kleine, herzige Cabins  für uns, aber ins Internet schauen, das geht nicht. Erst heute abend - in Tumut (am Fuss der Snowy Mountains westlich von Canberra http://en.wikipedia.org/wiki/Tumut,_New_South_Wales) haben wir wieder ein Motel mit Wifi gefunden. Was solls,..wir haben auch ohne Netz eine gute Zeit, wie Ihr unten lesen werdet.

Nur kurz einige Eindrücke von der Reise von Coffs Harbour zu unserer ersten Station, der Oakhampton Station nordwestlich von Tamworth, in der Nähe von Manilla. Der erste Meilenstein kam nach 3 Kilometern: Wir fuhren an jenem Pub vorbei, in dem “Gladiator”- und “Master and Commander”-Star Russell Crowe nach einer Prügelei von der Polizei verhaftet und für eine Nacht eingebuchtet wurde. Crowe wohnt ganz in der Nähe und ist für seine feinen Manieren lokal wohl bekannt.

Nach dieser Nähe zu einem der Grossen dieser Welt tats als nächster Stopp natürlich nur eine World Heritage Site: der Dorrigo National Park (http://de.wikipedia.org/wiki/Dorrigo-Nationalpark ). Eine der Hauptattraktionen des Parks ist der Skywalk, auf dessen äusserster Plattform man sich gut 40 Meter ab Boden über den Baumwipfeln befindet. Obiges Foto von A und D habe ich geschossen. Für die, die schon mal mit mir auf einer Wanderung mit exponierten Stellen waren (und das heisst bei mir ab 2 Meter senkrecht runterschauen), wissen, welche Heldentat dies für mich war. Zum Glück gibts Teleobjektive….. Im Hintergrund der Ozean, von dem wir uns nur für rund 4 Wochen verabschiedet haben.

Nach Dorrigo gings weiter quer durch das New England Tableland - und in der Tat fühlt man sich ein bisschen wie in good old England. In den Dörfern (das heisst so alle 40 bis 50 Kilometer haben die ersten Siedler Pappeln, Ahornbäume und Eichen gepflanzt, die nun alle schön gross sind und im australischen Herbst (also jetzt) brav ihre Blätter abwerfen. Manche Aussies feiern im Juli ein kleines Weihnachtsfest, damit sie die Feier in der Kälte (ziemlich relativ) begehen können - es braucht wohl noch einige Jahrtausende, bis diese alten Heimatgene verschwunden sein werden).

A hatte die Route nach Oakhampton so gelegt, dass F zwischendurch seiner Leidenschaft Birdwatching frönen konnte - D spielt dann jeweils Fangis (”keep the boys happy”). Das Bild zeigt die Dangar Lagoon in Uralla, je nach Wasserstand und Jahreszeit ein phantastischer Ort für Wasser- und Watvögel. F sah zum ersten Mal eine Magpie Goose ( http://en.wikipedia.org/wiki/Magpie-goose ). Und obwohl er immer vehement verneint, ein Twitcher zu sein, hat er sie im Buch natürlich abgetickt. Immerhin: Für eine neue Art quer über den Kontinent jetten wie die Hardcore-Aussie-Birders das machen - das macht er nicht (nur um die halbe Erde, feixt A).

Ok,…und nach 6 Stunden Fahrt und nachdem unser GPS keine Strassen mehr angezeigt hatte, fanden wir die Oakhampton Farm. Yep,..mehr davon im nächsten Eintrag. Nur soviel: Wir haben eine Zusatznacht gebucht, weil es uns so gut gefiel und wir haben einen Riesenfisch gefangen!